Feminismus 101

Wellen des Feminismus

Das Schöne an der Metapher der Wellen ist, dass sie impliziert, dass die feministische Bewegung stetig und mit der Zeit sogar den dickköpfigsten Stein aushöhlt und sein Gedankengut abrundet. Sie beinhaltet auch die Gewissheit, dass jeder Welle eine weitere folgen wird. Mal stärker, mal schwächer, aber wie das Meer verebbt auch der Feminismus nicht.

Die Meisten zählen bisher nur drei, manche vier Wellen des Feminismus. Die erste Welle, da sind sich alle einig, waren die Suffragetten und die Bürgerrechtsbewegungen, in denen Frauen für ihre politischen und zivilen Grundrechte gekämpft haben. Die zweite Welle des Feminismus, oft irgendwo zwischen den 1950ern bis zum Anfang der 1990ern verankert, konzentrierte sich auf Fragen der sozialen und wirtschaftliche Gleichberechtigung. Die Frage nach der Unterdrückung der Frau, ihrer Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt und die Thematisierung von Gewalt gegen Frauen sind hier zentrale Themen. Aus dieser Zeit stammt zum Beispiel der Spruch: „ Das Private ist politisch“.

Mit Anfang der 1990er änderte sich der politisch, feministische Kurs noch ein weiteres Mal und die Diversität (Vielfältigkeit) weiblicher Identitäten und Erfahrungen rückte stärker in den Fokus. Hier wird also der Beginn der dritten Welle festgemacht. Während Feminist*innen der zweiten Welle in erster Linie die Integration und Gleichstellung von Frauen in das bestehende, traditionelle politische System forderten, hinterfragen Theoretikerinnen der dritten Welle das Bestehen von z.B. nur zwei Geschlechtern, sowie die Bedeutung von Maskulinität innerhalb des bestehenden Gesellschaftssystems.

Und eine Vierte Welle des Feminismus? Manch eine sagt, es wäre längst die vierte Welle des Feminismus, der Postfeminismus über uns hereingebrochen, andere wiederum bestreiten das. Ich sage, hier zeigen sich die Schwächen dieses Models.

Denn völlig kritikfrei ist unsere Metapher nicht zu betrachten. Zum einen vermittelt sie den Eindruck, dass es sich bei der Frauenrechtsbewegung und dem Feminismus um eine singuläre, lineare Entwicklung handelt. Aber das tut es nicht, denn viele der Themen z.B. Gewalt gegen Frauen beschäftigen uns Feminist*innen bis heute. Und zweitens zeichnet das Model lediglich die Geschichte des US-amerikanischen und westlichen Feminismus nach und klammert dabei Frauenrechtsbewegungen anderer Regionen und Kulturen aus.

Alternativ zum Wellenmodel steht die thematische Untergliederung der verschiedensten Feminismen. So unterscheidet man zwischen feministischen Theorien entsprechend ihrer politischen Ausrichtung, wie z.B. Liberaler und Marxistischer Feminismus, oder entsprechend ihrer Fokussierung auf Umweltfragen, Eco-Feminismus usw.