Themen der Feminismen

Sexualisierte Gewalt

Mit Sicherheit eines der zentralsten und emotional aufwühlendsten Themen des feministischen Diskurses ist das der sexualisierten Gewalt.

Zum einen handelt es sich hierbei um die Aufarbeitung extremer Traumata, die entsprechend sensibel besprochen werden sollten und doch viel zu selten angemessen achtsam diskutiert werden. Und zum anderen bringen hiermit Feminist*innen ein Thema zur Sprache, dass ansonsten gesellschaftlich stark tabuisiert und totgeschwiegen wird. Wie also gelingt der Spagat, über etwas zu sprechen von dem jede*r Betroffene das Recht haben sollte zu schweigen?

Eines der Schlüsselwörter hierbei ist ganz klar Konsens = Einvernehmen. Es dient sowohl der Definition dessen, was erzwungenen sexuellen Kontakt bzw. Akt ausmacht, als auch als Leitmotiv der achtsamen Kommunikation zum Thema. Konsens ist auch ein Konzept, das es an sich zu diskutieren und elaborieren gilt. Was braucht es, um von Einvernehmen sprechen zu können? Darf man Einvernehmen voraussetzen, solange es nicht entzogen wird oder muss Konsens erst verbal artikuliert werden, damit er gegeben ist? Was bedeutet das sowohl für unsere Vorstellung von Romantik, als auch für unsere Gesetzgebung? Und wie kommen wir zu einer „Konsenskultur“?

 

Männliche Gewalt gegen Frauen als Werkzeug des Patriarchats

Seit den 1970ern, der sogenannten 2ten Welle des Feminismus, ist das Thema der Gewalt gegen Frauen und noch konkreter der männlichen Gewalt gegen Frauen immer stärker in den Fokus der feministischen Theorie gerückt.

Feministinnen wie Kate Millet, Shulamith Firestone, Susan Brownmiller und Mary Daly gehörten dabei zu den ersten bekannten Autorinnen, die sich mit dieser Thematik aus sozio-politischer Perspektive beschäftigten.

Miller, Mitchell und Rowbotham analysierten zunächst die Ursachen für häusliche und sexualisierte Gewalt gegen Frauen im privaten Raum, sprich intime Partner Gewalt, und verorteten die Ursache des Phänomens in den sozio-ökonomischen Strukturen und der Trennung von produktiver (männlich) und reproduktiver Arbeit (weiblich).

Dieser ersten theoretischen Auseinandersetzung mit den Ursachen und Gesellschaftsmechanismen, die Gewalt gegen Frauen bedingen, folgten rasch erste, entscheidende Texte zu sexualisierter Gewalt. Insbesondere Griffin und Mary Daly gilt es hier als Schlüsseltexte zu nennen. So zeigt Griffin (1971) zum Beispiel auf, wie das Zusammenspiel von gesellschaftlich konstruierter Maskulinität, Gewalt, Sexualität und Femininität, männliche Gewalt gegen Frauen bedingen und reproduzieren. Sie ist es auch, die als erste verdeutlicht, dass Vergewaltigung nicht als sexuelle Handlung missverstanden werden darf, sondern einzig und alleine eine Tat der Dominanzausübung darstellt.

Ein weiterer Meilenstein und eine der ersten ausgiebigen Forschungsarbeiten zu sexualisierter Gewalt ist die Arbeit von Susan Brownmiller. In ihrem Buch „Gegen unseren Willen“ bietet Brownmiller eine umfassende Analyse und Aufarbeitung der Thematik und definiert unser Verständnis von sexualisierter Gewalt, seiner Auswirkung und gesellschaftlichen Mechanismen komplett neu. Nicht nur, dass Susann Brownmiller als erste Vergewaltigung aus der Perspektive des Einvernehmens neu definiert, sondern sie zeigt auch auf, dass nicht nur die Tat an sich, sondern auch die Drohung eines solchen Übergriffes, bereits als Machtmechanismus und Werkzeug der Frauenunterdrückung fungiert. Somit legt sie die Grundlage für unsere heutige Debatte um das Recht auf freie, sexuelle Selbstbestimmung und um die Notwendigkeit eines überarbeiteten Sexualstrafrechts, dass das Einvernehmen zur Grundlage hat, und für eine konfrontative Auseinandersetzung mit dem, was wir heute Vergewaltigungskultur nennen.